Der US-Regulierungsrahmen für Kryptowährungen kann nach Einschätzung von Grayscale auch dann klarer werden, wenn der CLARITY Act in diesem Jahr nicht verabschiedet wird. In einer Analyse vom 10. September 2026 verweist der Vermögensverwalter auf Entwicklungen bei Stablecoins, der Token-Ausgabe, tokenisierten Wertpapieren und Perpetual Futures. Diese Bereiche hätten eigene regulatorische Wege, die nicht allein vom Schicksal des Gesetzentwurfs im Senat abhingen.
Inhalt der Maßnahme: US-Kryptoregeln entwickeln sich auch ohne CLARITY Act weiter
Die nächste politische Hürde für den CLARITY Act ist eine für den 15. September angesetzte Cloture-Abstimmung über den Antrag, die Debatte über das Gesetz aufzunehmen. Dafür sind 60 Stimmen erforderlich. Es handelt sich um einen Verfahrensschritt und nicht um die Schlussabstimmung über den Gesetzentwurf.
Grayscale ordnet die Abstimmung als wichtig ein, sieht den regulatorischen Fortschritt aber breiter. Nach Darstellung des Unternehmens können Gesetzgebung, Behördenvorschläge und regulierte Marktangebote parallel zur Debatte über den CLARITY Act weiterentwickelt werden. Der Gesetzentwurf zielt zugleich auf einen umfassenderen Rahmen für die Aufsicht über Kryptomärkte und Intermediäre.
Welche Regelungsbereiche bereits vorankommen
Ein Teil des Rahmens ist bereits geltendes Recht. Präsident Donald Trump unterzeichnete den GENIUS Act am 18. Juli 2025. Das Gesetz schafft einen Rahmen für die Ausgabe von Payment-Stablecoins. Es sieht eine vollständige Reserveunterlegung und monatliche öffentliche Angaben zur Zusammensetzung der Reserven vor. Zudem untersagt es irreführende Aussagen, wonach diese Token bundesstaatlich versichert, von der US-Regierung gedeckt oder gesetzliches Zahlungsmittel seien.
Andere Elemente befinden sich noch im Vorschlagsstadium. Die SEC stellte am 18. August die vorgeschlagene Regulation Crypto Assets vor. Sie würde qualifizierte Angebote von bis zu 5 Millionen US-Dollar über vier Jahre oder bis zu 75 Millionen US-Dollar innerhalb von zwölf Monaten ermöglichen. Vorgesehen sind Offenlegungspflichten sowie Bestimmungen gegen Betrug und Marktmanipulation. Der Vorschlag enthält außerdem einen bedingten Safe Harbor für bestimmte Emittenten. Stellungnahmen sind bis zum 20. Oktober möglich.
Weitere von Grayscale genannte Initiativen betreffen blockchainbasierte Eigentumsaufzeichnungen, eine mögliche Innovation Exemption und regulierte Wege für Perpetual Futures. Diese Vorhaben sind von bereits verabschiedeten Stablecoin-Regeln zu unterscheiden und teilweise weiterhin Gegenstand behördlicher Prüfung oder Vorschläge.
Marktreaktion und Position von Grayscale
Zach Pandl, Head of Research bei Grayscale, bewertet die genannten Entwicklungen als regulatorischen Fortschritt unabhängig vom Ausgang der Senatsabstimmung. Zugleich betont Grayscale, dass nur der Kongress eine umfassende und dauerhafte Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC schaffen könne. Der CLARITY Act behält aus dieser Sicht seine Bedeutung, auch wenn andere Regelungsbereiche weiter vorankommen können.
Cloture-Abstimmung als nächster politischer Test
Nach Einschätzung von Grayscale würde ein Scheitern der Abstimmung die Möglichkeit einer Verabschiedung des Gesetzes in diesem Jahr einengen. Eine spätere erneute Behandlung während der Sitzung nach den Wahlen bleibe jedoch möglich. Offen bleibt, ob der Kongress die von Grayscale angestrebte klare Zuständigkeitsordnung zwischen SEC und CFTC gesetzlich festschreibt.
Bedeutung für Anleger im DACH-Raum
Die vorliegenden Informationen beziehen sich auf die US-Bundesregulierung von Stablecoins, Token-Angeboten, tokenisierten Wertpapieren und Derivaten. Konkrete rechtliche oder steuerliche Folgen für Anleger und Produkte in Deutschland, Österreich oder der Schweiz lassen sich daraus nicht ableiten.
Fazit und Einordnung
Grayscale zeichnet ein zweigeteiltes Bild: Der GENIUS Act ist geltendes Recht, während mehrere SEC-Initiativen weiterhin Vorschläge sind. Der CLARITY Act würde nach Auffassung des Unternehmens den umfassendsten Rahmen für US-Kryptomärkte bieten, ist aber nicht der einzige Weg zu weiteren regulatorischen Entwicklungen. Die Cloture-Abstimmung am 15. September bleibt der nächste zentrale Verfahrensschritt.
Risikohinweis und Call-to-Action
Kryptowährungen bleiben mit erheblichen Kursschwankungen und regulatorischer Unsicherheit verbunden. Wer die Folgen regulatorischer Entwicklungen für eigene Entscheidungen bewerten möchte, sollte zwischen geltendem Recht, behördlichen Vorschlägen und noch offenen politischen Verfahren unterscheiden und die zugrunde liegenden Regelungen sorgfältig prüfen.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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