Das Wichtigste in Kürze
- Das Wichtigste in Kürze.
Die US-Gesetzgebung für digitale Vermögenswerte steht unter massivem Zeitdruck, während die europäische MiCA-Verordnung bereits Fakten schafft. Am Montag, dem 23. März 2026, trafen sich Branchenvertreter mit dem Bankenausschuss des US-Senats zu einer vertraulichen Sitzung. Im Zentrum der Gespräche stand ein vom Weißen Haus unterstützter Kompromiss der Senatoren Thom Tillis und Angela Alsobrooks, der den festgefahrenen CLARITY Act durch neue Regelungen zu Stablecoin-Vergütungen wiederbeleben soll.
Der Streit um Zinsen und die Abgrenzung zum Bankensektor
Ein wesentlicher Konfliktpunkt des Gesetzentwurfs ist die Frage, ob und wie Stablecoin-Halter für ihr Guthaben entlohnt werden dürfen. Lobbyisten des traditionellen Bankensektors warnen vor einer massiven Abwanderung von Einlagen, sollten Stablecoin-Emittenten hochverzinsliche Produkte anbieten können, die direkt mit klassischen Sparkonten konkurrieren. Der nun diskutierte Kompromiss sieht daher strenge regulatorische Grenzen vor: Passive Erträge, bei denen Nutzer allein durch das bloße Halten von Tokens Geld verdienen, sollen voraussichtlich verboten werden.
Zulässig blieben demnach nur Belohnungen, die an einen aktiven Nutzen geknüpft sind, wie etwa die Durchführung von Zahlungen oder Überweisungen. Um die Fronten zwischen der Krypto-Branche und den Geschäftsbanken weiter zu glätten, wird zudem erwägt, traditionelle Bankbegriffe wie „Einlagen“ oder „Zinsen“ komplett aus dem Gesetzestext zu streichen. Damit soll sichergestellt werden, dass digitale Dollar-Äquivalente rechtlich und marketingtechnisch nicht als direkte Konkurrenten zu herkömmlichen Bankprodukten auftreten.
Ein schwindendes Zeitfenster für die Gesetzgebung
Trotz der erzielten Einigung beim Thema Rendite bleibt der Zeitplan für den CLARITY Act äußerst kritisch. Der Bankenausschuss strebt zwar eine formelle Anhörung für die zweite Aprilhälfte an, doch der Terminkalender des Senats ist durch Debatten über den SAVE America Act und die allgemeine Staatsfinanzierung bereits stark überlastet. Verzögerungen könnten dazu führen, dass die Anhörung verschoben oder die geplante parlamentarische Pause verkürzt werden muss.
Branchenexperten und Politiker wie Senator Bernie Moreno warnen eindringlich davor, dass der Gesetzentwurf dauerhaft scheitern könnte, sollte er nicht bis Mai 2026 im Senat behandelt werden. Mit dem herannahenden Wahlzyklus der Zwischenwahlen im Herbst 2026 schwindet die politische Bereitschaft für komplexe regulatorische Vorhaben. Ohne eine zeitnahe Verabschiedung riskieren die USA, im globalen Wettbewerb der Finanzstandorte weiter an Boden gegenüber Regionen mit klareren Regeln wie der EU zu verlieren.