Der US-Bankenverband American Bankers Association (ABA) hat einen aktuellen Bericht des Weißen Hauses scharf kritisiert, der die Auswirkungen eines Verbots von Stablecoin-Renditen als vernachlässigbar einstuft. Die ABA wirft dem Council of Economic Advisers vor, die falschen Fragen gestellt zu haben. Während das Weiße Haus lediglich eine marginale Steigerung der Kreditvergabe um 0,02 Prozent prognostiziert, sieht der Bankenverband das eigentliche Risiko in massiven Einlagenabflüssen, die vor allem kleinere Gemeinschaftsbanken gefährden könnten.
Bedrohung für lokale Kreditinstitute und Gemeinschaftsbanken
Laut den Ökonomen der ABA, Sayee Srinivasan und Yikai Wang, besteht die größte Sorge darin, dass attraktive Renditen auf Stablecoins Unternehmen und Haushalte dazu bewegen könnten, ihre Gelder von Bankkonten abzuziehen. Selbst wenn das Gesamtkapital im Bankensystem stabil bliebe, würde es sich wahrscheinlich von kleineren Instituten hin zu Großbanken verlagern. Dies würde die Finanzierungskosten für lokale Banken massiv erhöhen und deren Fähigkeit einschränken, Kredite vor Ort zu vergeben. Viele dieser kleineren Banken verfügen nicht über die nötige Bilanzflexibilität, um solche Abflüsse ohne teure Refinanzierungen aufzufangen.
Der Streit um die Rendite im US-Senat
Die Debatte gewinnt an politischer Brisanz, da im US-Senat derzeit über ein Gesetz verhandelt wird, das die künftige Regulierung von Kryptowährungen festlegen soll. Ein zentraler Streitpunkt ist dabei die rechtliche Zulässigkeit von Zinszahlungen auf Stablecoins. Während die Kryptoindustrie auf fairen Wettbewerb drängt, verweist der Bankensektor auf Prognosen des US-Finanzministeriums aus dem Jahr 2025. Diese schätzten, dass eine flächendeckende Adaption von Stablecoins zu Abflüssen von bis zu 6,6 Billionen US-Dollar aus dem US-Bankensystem führen könnte.
Druck auf das traditionelle Zinsmodell
Interessanterweise räumt der Bankenverband ein, dass Stablecoin-Belohnungen für Kunden schlicht attraktiver sind als klassische Bankzinsen. Branchengrößen wie Coinbase-CEO Brian Armstrong kritisieren seit langem, dass Banken über Jahrzehnte hinweg Zinsen nahe Null gezahlt haben. Stablecoin-Renditen würden die Institute nun zwingen, in einen echten Wettbewerb um Kundengelder zu treten. Da die ABA Schwergewichte wie JPMorgan Chase und Goldman Sachs vertritt, spiegelt dieser Widerstand die Angst der etablierten Finanzwelt wider, die Kontrolle über billige Einlagen an digitale Alternativen zu verlieren.