Marktupdate: Bitcoin & Altcoins – Spätes Finale, langer Abschwung?

Powell bestätigt Subpoenas, US-Märkte auf Rekordniveau, Bitcoin seitwärts: Das Rollover-Szenario erklärt.

Pia Messerschmitt von Pia Messerschmitt Updated 4 Min. read
Marktupdate: Bitcoin & Altcoins – Spätes Finale, langer Abschwung?

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Zentrum steht ein Rollover-Szenario: erst Gap-Close zwischen US-Indizes und Krypto, dann breite Korrektur.
  • Der Fed-Konflikt um Jerome Powell liefert politisches Risiko – Powell bestätigt Grand-Jury-Subpoenas gegen die Fed.
  • Bitcoin verteidigt in der Diskussion eine Support-Zone um 80.500 US-Dollar und bleibt insgesamt in einer Range – Kursdaten am 13 Januar 2026 stabil im Bereich um 94.300 US-Dollar.

US-Aktien auf Rekordniveau, Bitcoin in der Seitwärtsrange – und im Hintergrund ein politisch aufgeladener Fed-Konflikt. Eine aktuell diskutierte Markt-These skizziert ein „spätes Finale“ bei Risikoassets – gefolgt von einem langen Abschwung bis 2027.

Das Szenario: erst „Finale“, dann Rollover – mit einem Boden erst 2027

In einer aktuellen Markt-These von Oliver Michel wird nicht von einem plötzlichen Crash ausgegangen, sondern von einer mehrstufigen Abwärtsbewegung: ein erstes Abrutschen, eine Erholung nach „A-B-C“-Logik – und erst danach die Phase, in der viele Anleger merken, dass das Problem struktureller ist als gedacht.

Zeitlich wird das an historischen Mustern „nach Beginn einer Zinssenkungsphase“ aufgehängt: Michels nimmt den S&P 500 als Beispiel und leitet aus früheren Crash-Phasen eine grobe Zeitschiene ab: das Platzen der Dotcom-Blase (langsamer, aber zäh) versus Finanzkrise (tiefer, brutaler).

Aus dieser Logik wird dann ein Zielkorridor abgeleitet, in dem sich – wenn es so kommt – ein Boden erst im Sommer 2027 ausbilden könnte. Das ist ein Szenario, das vor allem eines leisten soll: Zeit und Schmerzhaftigkeit eines Bärenmarkts mental greifbar machen.

Die These steht und fällt nicht mit einem einzelnen Trigger, sondern mit der Annahme, dass Risikoassets insgesamt „spät im Zyklus“ laufen und dass eine spätere Eintrübung dann alle Beta-Assets erwischt.

Bitcoin-Volumen wird dünner, Altcoins im Schlepptau

Trotz politischer Schlagzeilen und makroökonomischer Impulse zeigt sich Bitcoin bislang erstaunlich gelassen. Von explosiver Dynamik fehlt jede Spur; der Markt bleibt in einer engen Seitwärtsrange, während der Kurs in den vergangenen sieben Tagen immerhin um 2,6 Prozent zulegen konnte. Laut CoinGecko notiert die größte Kryptowährung aktuell bei rund 94.350 US-Dollar.

Charttechnisch sieht Analyst Oliver Michel ein zunehmend ausgedünntes Handelsvolumen und einen klar definierten Korridor. Entscheidende Relevanz hat dabei die Unterstützungszone um 80.500 US-Dollar – ein Bruch darunter würde das technische Bild spürbar eintrüben.

Altcoins sind dabei im Standby: Ethereum zeigt ein ähnliches Muster – viel Seitwärts, wenig Trendbestätigung, denn ohne Bitcoin-Breakout keine nachhaltige Altcoin-Expansion.

Parallel dazu bleibt auch der Blick auf die Aktienmärkte wichtig. Sollten die großen US-Indizes ihre Stärke fortsetzen, entstünde laut Michel ein Performance-Gap, das sich mittelfristig schließen müsse – entweder, weil Aktien korrigieren oder, im besseren Fall, weil Krypto nachzieht. Damit wäre die aktuelle Phase eher eine Korrektur im Bullenmarkt, nicht der Beginn eines neuen Bärenzyklus.

Fed-Konflikt als Brandbeschleuniger: Powell bestätigt Subpoenas

Der politisch heikelste Baustein im Gesamtbild ist der Konflikt um die US-Notenbank Der politisch heikelste Baustein im Gesamtbild ist der Konflikt um die US-Notenbank; die Fed steht unter Druck. Jerome Powell hat öffentlich gemacht, dass die Federal Reserve Grand-Jury-Subpoenas erhalten hat – verbunden mit dem Risiko strafrechtlicher Schritte im Kontext seiner Senats-Aussage zu einer kostspieligen Gebäudesanierung.

Powell formuliert dabei sinngemäß: erstens „niemand steht über dem Gesetz“ und zweitens weist er den Vorwurf einer bewussten Falschaussage zurück und macht deutlich, dass der Vorgang aus seiner Sicht politisch aufgeladen ist.

Für Märkte ist das weniger wegen des Renovierungsdetails relevant, sondern wegen der Meta-Frage: Wie unabhängig ist die Fed, wenn der Fed-Chef unter juristisch-politischen Druck gerät?

Der politische Zeitdruck: Midterms und der Ruf nach regulatorischer Klarheit

Bis zu den US-Zwischenwahlen im November 2026 läuft in Washington eine unsichtbare Uhr mit. Gerade bei Krypto könnte der politische Anreiz wachsen, noch vor diesem Termin etwas Vorzeigbares zu liefern – nicht zwingend, weil plötzlich alle überzeugt sind, sondern weil Millionen US-Wähler längst Berührungspunkte mit Bitcoin & Co. haben. Die Börse handelt Erwartungen, deshalb sei der Zeitpunkt einer Einigung im kurzfristigen Kursverlauf potenziell wichtiger als die spätere technische Umsetzung, denn „Klarheit“ lässt sich im Wahlkampf gut als Fortschritt verkaufen.

Mit ist dabei vor allem gemeint: klare Zuständigkeiten und Regeln. Wer darf was? Solange rechtliche Grauzonen bestehen, bleibt das Risiko hoch, dass eine Investition im Nachhinein als nicht konform gewertet wird. Deshalb hängt institutionelles Kapital oft weniger am „Narrativ Krypto“, sondern an der Frage, ob man Compliance-konform investieren kann.

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Fazit: Ein bullischer Sprint für Bitcoin & Altcoins – mit Bärenmarkt im Rückspiegel

Michels Gesamtthese ist in sich konsistent:

  1. US-Indizes treiben (noch) auf Rekordniveau,
  2. Bitcoin/Altcoins sollen die Lücke schließen (Rotation, Dollar, Liquidität),
  3. danach kommt der Rollover – und ein längerer Abstieg bis 2027 als mögliches „Bodenfenster“.

Der externe Kontext stützt zumindest die Ausgangslage: Aktienrekorde, Goldrekorde, Dollar-Schwäche und politisch/juristisch aufgeladene US-Themen sind real.

Marktberichte
Pia Messerschmitt

Pia ist Web3- und AI-Enthusiastin. Als studierte Geisteswissenschaftlerin liebt sie es, den Zeitgeist innerhalb der Gesellschaft zu beobachten und zu analysieren. Ehemalig im Think Tank und Forschungszentrum der Frankfurt School of Finance als Bitcoin-Talent und NFT-Talent im Frankfurt Blockchain Center. Wenn sie nicht gerade schreibt, surft sie gerne am Atlantik.

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