Die US-Aufsichtsbehörde Commodity Futures Trading Commission (CFTC) hat am 22. September ihre Standards für die Zulassung sogenannter Mention-Market-Kontrakte verschärft. Betroffen sind Wettprodukte darauf, ob Politiker, Sportler oder Firmenchefs bestimmte Wörter bei Reden oder Pressekonferenzen verwenden, bei einem Ereignis auftreten oder mit einer bestimmten Person interagieren – Kontrakte, die auch auf krypto-nahen Prognosemarkt-Plattformen wie Kalshi und Polymarket gehandelt werden.
Die Behörde begründet den Schritt mit einem erhöhten Manipulationsrisiko, weil das Ergebnis solcher Kontrakte direkt vom Verhalten einer einzelnen Person abhängt. Ähnliche Bedenken hatte die CFTC-Prüfung von Polymarket bereits in anderem Zusammenhang aufgeworfen.
Welche Kriterien für Mention Markets gelten
Laut der von Bloomberg zitierten Guidance sollen solche Produkte künftig nur in begrenzten Fällen zugelassen werden, in denen konkrete Schutzmaßnahmen gegen Manipulation greifen. Als zentrales Risiko nennt die CFTC Personen mit Zugang zu Redemanuskripten, vorbereiteten Aussagen oder anderen nichtöffentlichen Materialien, die sich daraus einen unfairen Informationsvorsprung verschaffen könnten.
Ergänzend warnt die Behörde vor Außenstehenden, die über finanzielle Anreize oder sozialen Druck versuchen könnten, eine Person zu einer bestimmten Formulierung zu bewegen – ein Szenario, das strukturell an die bereits dokumentierten Insiderhandelsrisiken bei Prediction Markets erinnert. Börsen sollen deshalb prüfen, ob die betroffene Person rechtlichen oder beruflichen Pflichten unterliegt, die eine Einflussnahme unwahrscheinlicher machen, und eigene Regeln sowie Überwachungssysteme zur Erkennung unfairen Handels vorhalten. Wichtig: Die Guidance besitzt nicht dieselbe Rechtswirkung wie eine formale Regulierung.
Marktreaktion und Akteurspositionen
Kalshi und Polymarket erklärten laut den vorliegenden Berichten, dass sie Insiderhandel ablehnen, ihre Märkte überwachen und Hinweise auf verdächtigen Handel an Strafverfolgungsbehörden und Bundesregulierer weiterleiten. Auch der Sport hat das Thema auf die Agenda gesetzt: Die NFL forderte im Juli ein Verbot von Wetten darauf, ob bestimmte Wörter während Übertragungen fallen, weil eine einzelne Person das Ergebnis manipulieren könnte. Die MLB verlangte parallel eine strengere Regulierung von Kontrakten zu Pressekonferenzen und Interviews.
Konkreten Anlass lieferte ein Fall aus dem Umfeld des Weißen Hauses: Ein Teleprompter-Operator soll aus vorab bekanntem Redeinhalt mehr als 100.000 US-Dollar auf Kalshi erzielt haben und stimmte im August einer Zahlung von mehr als 172.000 US-Dollar zu, ohne Fehlverhalten einzugestehen.
Nicht bindende Guidance und offene Zuständigkeitsfragen
Die CFTC hatte im Juni bereits Einschränkungen für Prognosemarkt-Wetten zu Krieg und Terrorismus vorgeschlagen. Der grundsätzliche Streit über die Einordnung von Prognosemärkten hält an: Während die Behörde und Plattformen wie Polymarket – die zuletzt eine neue US-Lizenz beantragt hat – Event Contracts als Finanzderivate einstufen, klagen einzelne Bundesstaaten weiterhin gegen Plattformen wegen mutmaßlich illegalen Glücksspiels.
Fazit
Die verschärfte Guidance signalisiert eine genauere Prüfung der Marktintegrität bei ereignisbasierten Derivaten, insbesondere wenn eine einzelne Person das Ergebnis beeinflussen kann. Entscheidend wird sein, wie regulierte Börsen die geforderten Überwachungs- und Manipulationsschutzmaßnahmen in der Praxis umsetzen – der Konflikt zwischen CFTC, Plattformen und einzelnen Bundesstaaten bleibt vorerst ungelöst.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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