Polymarket-Studie: Die Illusion der kollektiven Intelligenz in Prognosemärkten

Prediction-Plattformen wie Polymarket gelten oft als das ultimative Orakel der Moderne. Ob US-Wahlen oder Zinsentscheidungen – die Crowd scheint alles zu wissen. Doch eine neue wissenschaftliche Untersuchung der London Business School und Yale rüttelt nun gewaltig an diesem Fundament. Die Forscher haben Millionen von Transaktionen analysiert und kommen zu einem ernüchternden Ergebnis. Es ist nicht die Masse, die recht behält, sondern eine verschwindend kleine Elite von Profis, die den Markt dominiert und die Gewinne abschöpft, während der Rest lediglich als Liquiditätsgeber dient.

Dennis Geisler von Dennis Geisler Updated 3 Min. read
Polymarket-Studie: Die Illusion der kollektiven Intelligenz in Prognosemärkten

Das Wichtigste in Kürze

  • Eine umfassende Analyse von über 1,7 Millionen Konten zeigt, dass lediglich rund drei Prozent der Nutzer als tatsächlich kompetente Händler eingestuft werden können.
  • Die Markteffizienz und die hohe Vorhersagegenauigkeit von Polymarket basieren nicht auf der kollektiven Intelligenz der Masse, sondern primär auf dem Wissen einer informierten Minderheit.
  • Ein Großteil der Nutzer erleidet dauerhafte Verluste und finanziert damit die signifikanten Renditen einer kleinen Gruppe von Profis und Market Makern.

Neue Studie wirft strukturelle Fragen zum Prognosemarkt Polymarket auf

Die Analyse der London Business School und Yale stützt sich auf einen gigantischen Datensatz, der den Zeitraum von 2023 bis 2025 umfasst.

Mit über 210.000 einzelnen Märkten und einem Handelsvolumen von fast 14 Milliarden US-Dollar ist Polymarket das unangefochtene Schwergewicht unter den dezentralen Prognoseplattformen.

Die Forscher wollten herausfinden, ob die oft zitierte Weisheit der Masse wirklich existiert oder ob andere Mechanismen die Treffsicherheit steuern.

Die Ergebnisse sind für Verfechter der direkten Demokratie in Finanzmärkten ernüchternd. Von den 1,72 Millionen untersuchten Konten qualifizierten sich lediglich 3,14 Prozent als sogenannte kompetente Gewinner.

Diese Gruppe zeichnet sich dadurch aus, dass ihre Transaktionen nicht nur die finalen Ergebnisse korrekt antizipieren, sondern bereits kurzfristige Preisbewegungen präzise vorhersagen können.

Diese winzige Elite bildet faktisch das intellektuelle Rückgrat der Preisbildung auf der gesamten Plattform. So kannst du Bitcoin anonym kaufen!

Die Dominanz der informierten Elite

Zusammen mit den Market Makern machen diese Akteure weniger als 3,5 Prozent der Gesamtnutzerschaft aus, sichern sich jedoch mehr als 30 Prozent aller auf der Plattform erwirtschafteten Gewinne.

Die Studie legt nahe, dass die viel gepriesene Effizienz von Polymarket nicht das Resultat von Millionen gewöhnlicher Nutzer ist, die kollektiv zu einer richtigen Einschätzung gelangen.

Vielmehr scheinen es wenige, hochgradig informierte Teilnehmer zu sein, die den Preis durch ihr Kapital in die richtige Richtung treiben. Der Rest der Nutzerbasis, immerhin zwei Drittel aller Konten, gehört zur Gruppe der glücklosen oder inkompetenten Verlierer.

Diese Teilnehmer absorbieren die Verluste und fungieren faktisch als Kapitalquelle für die Profis. Damit wird deutlich, dass Prognosemärkte eher als Instrument zur Aggregation von Expertenwissen denn als Spiegelbild einer breiten Volksmeinung fungieren.

Der normale Nutzer wettet oft gegen Profis, die über deutlich bessere Informationskanäle verfügen.

Glück oder Können: Die statistische Wahrheit

Besonders interessant ist die methodische Herangehensweise der Forscher, um echtes Talent von purem Zufall zu trennen. Sie führten komplexe Simulationen durch, bei denen Kauf- und Verkaufsentscheidungen historischer Trades 10.000 Mal zufällig umgekehrt wurden.

Dabei zeigte sich, dass nur zwölf Prozent der Spitzenverdiener tatsächlich über nachweisbare Fähigkeiten verfügen, die über den Zufall hinausgehen.

Rund 60 Prozent derer, die zunächst als erfolgreiche Gewinner erschienen, rutschten in späteren Phasen oder bei anderen Märkten in die Verlustzone ab. Dies unterstreicht die hohe Volatilität und das enorme Risiko für Privatanleger, die sich oft auf ihr Bauchgefühl verlassen.

Ergänzend identifizierte das Team rund 1.950 Konten, die Anzeichen für Insiderhandel aufwiesen. Diese Accounts wurden oft kurz vor spezifischen Ereignissen eröffnet und danach sofort wieder inaktiv.

Obwohl sie den Preis pro eingesetztem Dollar deutlich stärker bewegten als reguläre Profis, war ihr Einfluss auf die gesamte Vorhersagegenauigkeit der Plattform eher punktuell.

Der Erfolg von Polymarket ist also kein Produkt von Manipulation, sondern von extremer Professionalisierung.

Die Ergebnisse dieser Studie zwingen uns zu einer Neubewertung von Prognosemärkten. Die Romantik der kollektiven Weisheit weicht der harten Realität eines hocheffizienten, aber elitären Marktes.

Für die Branche bedeutet dies, dass Polymarket weniger ein demokratisches Tool als vielmehr ein hochspezialisiertes Finanzinstrument für Experten ist.

Gesellschaftlich gesehen warnt die Untersuchung vor dem blinden Vertrauen in Crowd-Daten, wenn diese in Wahrheit von einer informierten Minderheit gesteuert werden. In einem professionellen Marktumfeld gewinnt am Ende immer das Wissen über die Intuition.


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Dennis Geisler

Dennis Geisler, 25, stammt aus Kiel und lebt seit August in Thailand. Im Jahr 2020 kam er erstmals mit Kryptowährungen in Berührung, als er über Binance XRP im Wert von 100 Euro kaufte. Die starken Kursschwankungen und das Potenzial schneller Gewinne zogen ihn in den Bann und weckten sein Interesse an den Mechanismen hinter den Preisbewegungen – von rationalen Marktkräften bis hin zu psychologischen Mustern. Heute verbindet er seine journalistische Leidenschaft mit der Krypto-Welt: Für verschiedene Formate verfasst er Nachrichten, Grundlagenartikel und tiefgehende Blockchain-Analysen. Mit BitBlog engagiert er sich zudem in Norddeutschland für die Beratung von Unternehmen und Privatpersonen rund um digitale Währungen.

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