IBM hat seine Plattform Digital Asset Haven per Beta-Integration an permissioned Blockchain-Netzwerke angebunden, darunter das Ledger von Swift. Parallel bereiten 17 Banken auf sechs Kontinenten im Rahmen eines separaten Swift-Pilotprogramms erste Live-Transaktionen mit tokenisierten Einlagen vor.
IBM bindet Digital Asset Haven an das Swift-Ledger an
IBM meldete die Anbindung am 24. September 2026. Kern der Integration ist ein ISO-20022-Messaging-Adapter, über den Institute mit ihren bereits vertrauten Zahlungsnachrichten Transaktionen mit tokenisierten Einlagen anweisen können, statt eigene blockchain-spezifische Abläufe aufzubauen.
Swifts Ledger koordiniert dabei lediglich die Zahlungszusagen zwischen Banken; die endgültige Abwicklung läuft weiterhin über bestehende Systeme wie Real-Time-Gross-Settlement, Korrespondenzbankbeziehungen oder andere vereinbarte Mechanismen. Technisch basiert das Ledger auf einer Ethereum-Virtual-Machine-kompatiblen Architektur von Hyperledger Besu.
Swift selbst hatte die Infrastruktur im Juli nach neun Monaten Entwicklungsarbeit mit mehr als 40 Finanzinstituten für den ersten Einsatz freigegeben. In der ersten Gruppe, die nun Live-Transaktionen mit tokenisierten Einlagen vorbereitet, finden sich unter anderem ANZ, BNP Paribas, BNY, Citi, DBS, HSBC, MUFG, UBS und Wells Fargo – der anfängliche Anwendungsfall sind 24/7-Zahlungen über Landesgrenzen hinweg.
On-Premises-Beta gibt Banken Kontrolle über digitale Assets
Neben der Swift-Anbindung hat IBM eine On-Premises-Beta für IBM Z und IBM LinuxONE geöffnet. Software und Schlüsselmanagement bleiben dabei vollständig im eigenen Rechenzentrum des Kunden, eine öffentliche Cloud-Infrastruktur ist nicht erforderlich – unterstützt werden unter anderem Stablecoins und tokenisierte Einlagen.
Ein IBM LinuxONE Server
Für den Schutz kryptografischer Schlüssel setzt IBM auf Crypto Express Hardware-Sicherheitsmodule, Confidential Computing sowie den Offline Signing Orchestrator für Cold-Storage-Prozesse. Strukturierte Schlüsselzeremonien sollen zudem die Erzeugung von Root-CA-Schlüsseln sowie Audit-Dokumentation für Regulierungsbehörden ermöglichen – ein Detail, das an Anwendungsfälle wie die digitale Anleihe von Hana Bank erinnert, bei der Institute ebenfalls auf verifizierbare, regulierungsnahe Ledger-Prozesse setzen.
Für qualifizierende Konfigurationen nennt IBM eine Verfügbarkeit von bis zu 99,999999 Prozent, weist aber ausdrücklich darauf hin, dass dieser Wert aus internen Messungen und Projektionen für eine definierte Hardware- und Softwarekombination stammt und andere Konfigurationen abweichen können. Tom McPherson, General Manager für IBM Z und LinuxONE, ordnete die Neuerung damit ein, dass Finanzinstitute zunehmend traditionelle und tokenisierte Assets parallel betreiben müssten und die Swift-Anbindung ebenso wie die On-Premises-Option regulierten Instituten mehr Kontrolle über ihre digitalen Asset-Operationen geben solle. Wichtig bleibt: Sowohl die Swift-Integration als auch die On-Premises-Bereitstellung befinden sich im Beta- beziehungsweise Pilotstadium, eine breite Produktivnutzung ist damit noch nicht belegt.
Swift und IBM bereiten die nächsten Implementierungsschritte vor
Interessierte Institute können sich für die On-Premises-Beta derzeit auf eine Warteliste bei IBM eintragen. Swift wiederum will die Umsetzung des Ledgers auf der Sibos 2026 vom 28. September bis 1. Oktober vertiefen, mit Agenda-Punkten zu interoperablem tokenisiertem Geld, Transaktionsfunktionen und der weiteren Implementierungs-Roadmap.
Panel-Diskussion auf der Sibos-Konferenz in Toronto.
Ein erster praktischer Meilenstein liegt bereits hinter dem Projekt: Im August führten HSBC und Standard Chartered eine Live-Interbankentransaktion über das Ledger durch, wobei die finale Abwicklung weiterhin über bestehende Bankinfrastruktur erfolgte.
Wer sich als Privatanleger mit tokenisierten Zahlungsnetzwerken beschäftigt, sollte bedenken, dass regulierte Bankprodukte wie Swifts Ledger anderen Regeln folgen als öffentliche Kryptowährungen: Wallets und Transaktionen bei Banken sind an Identitätsprüfung und KYC-Pflichten gebunden. Ein Blick auf parallele Pilotprojekte wie den grenzüberschreitenden Zahlungstest mit USDC zeigt, wie unterschiedlich Institute und Krypto-native Anbieter an dasselbe Problem herangehen.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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