233.000 US-Dollar über Nacht: So soll ein Trader Polymarket-Bots ausgenommen haben
Ein Trader soll auf Polymarket Bots ausgetrickst und mit 15-Minuten-Wetten auf XRP Kasse gemacht haben. 233.000 US-Dollar über Nacht, Bots verlieren Jahresgewinne.
Ein Trader überlistet Polymarket-Bots und holt rund 233.000 US-Dollar aus Trading-Bots über Nacht.
Möglich durch dünne Wochenend-Liquidität und sehr kurze „Up-or-Down“-Märkte.
Trader macht immer weiter: Auch Bitcoin und Solana im Visier.
Ein bisschen „Wolf of Wall Street“. Ein Samstagabend, ein dünnes Orderbuch – und plötzlich wirkt Polymarket wie ein Selbstbedienungsladen für jemanden, der weiß, wo die Bots blind sind. Auf Krypto-Twitter macht ein X-Post vom 18. Januar die Runde: Ein Trader soll aktuell auf Polymarket automatisierte Market-Maker ausmanövrieren und dabei über Nacht sechsstellige Gewinne eingesammelt haben. Wie er damit durchkommt.
Bots überlistet: 233.000 US-Dollar über Nacht
Die Behauptung kommt von einem kleinen X-Account namens PredictTrader (@polymarketbet). Darin heißt es, ein Trader (@a4385) habe mit einem brilliant einfachen Setup Liquidität aus Bots gezogen und damit etwa 233.000 US-Dollar verdient.
Das Ganze spielte sich auf Polymarket ab. Polymarket gilt vielen inzwischen als Live-Stimmungsbarometer, etwa bei Debatten um Bitcoin-Reserven der USA und ist stark gewachsen. Der Vorfall ereignete sich bei Polymarkets sogenannten 15-Minuten-„Up or Down“-Märkten. Diese Märkte sind Wetten mit extrem kurzer Laufzeit. Du kaufst „Up“ oder „Down“ – und nach exakt 15 Minuten wird abgerechnet. „Up“ gewinnt, wenn (in diesem konkreten Fall) der XRP-Kurs am Ende des Fensters größer oder gleich dem Kurs zu Beginn ist. So reichen minimale Bewegungen aus, um die gesamte Auszahlung zu drehen.
In einem dünnen Wochenendmarkt habe der Trader „Up“ aggressiv gekauft, die „Up“-Anteile zeitweise bis in den Bereich von 70 Cent gedrückt, obwohl XRP im gleichen Abschnitt an großen Börsen leicht im Minus gelegen habe. Bots, die solche Abweichungen als scheinbare Arbitrage interpretieren, sollen daraufhin automatisch dagegen verkauft und ihm immer mehr „Up“ geliefert haben; bis er ungefähr 77.000 „Up“-Anteile zu einem Durchschnitt um 0,48 US-Dollar angesammelt hatte.
Kurz vor Ablauf sei auf Binance ein XRP-Spotkauf im Umfang von rund 1 Million US-Dollar gelaufen, der den Kurs kurzfristig um etwa 0,5 Prozent angehoben habe; nur Sekunden nach der Abrechnung sei die Position wieder abverkauft worden.
Während der Trader gerade mal etwa 6.200 US-Dollar Opportunitätskosten hatte, verloren Bots teilweise gesamte Jahresgewinne.
A Polymarket trader ran a Wolf of Wall Street–level play overnight – made $233K by drained liquidity from trading bots and it flew completely under the radar.
Im Profil von @a4385 steht ein Allzeit-Profit von 279.925,12 US-Dollar. In der Historie finden sich seine Wetten. Sein rentables Vorgehen scheut auch vor anderen Märkten nicht: Er hat es auch mit Bitcoin-Wetten versucht und am heutigen 19. Januar hat er eine Wette auf “Down” für Solana laufen.
Darauf wies selbiger Account PredictTrader nur wenige Stunden nach dem ersten Vorwurf hin: „Insane“, heißt es dort, der Trader mache immer weiter und könne BTC und XRP-Kurse auf Binance bewegen – weil Polymarket inzwischen so groß sei, dass Profit aus den Polymarket-Wetten geschlagen werden könne.
Insane. @a4385 keeps doing this. As unbelievable as it sounds – he can manipulate BTC and XRP prices on Binance. Polymarket has grown so large that Binance prices are now being manipulated to extract profit from Polymarket bets. The effective size of these markets is now capped… https://t.co/0yOHYdpb6Ipic.twitter.com/rTVWF8ZlRS
Warum 15-Minuten-Märkte so leicht manipulierbar sind
Bei diesen kurzlaufenden Märkten zählt nicht, ob du „langfristig recht hast“, sondern ob du den Schlusskurs im Mini-Zeitfenster richtig triffst. Es ist eine gewiefte Art der Marktmanipulation: Ausnutzung von Automatisierung.
Das Setup lebt vom klassischen Fehler in Bot-Strategien; sie interpretieren ein Orderbuch nämlich immer als „objektiv“, obwohl es in dünnen Phasen schon durch einen einzigen Marktteilnehmer verzerrt sein kann. Das heißt, ein Trader kauft „Up“ in einem Moment, in dem die Kurse eigentlich nicht so hoch sein dürften, treibt dadurch den Preis des „Up“-Shares und lockt Bots, die das als Fehlbewertung sehen und bereitwillig dagegen verkaufen.
Damit entsteht freilich ein Anreizsystem, das Bots lieben. Sie versuchen, Unterschiede zwischen impliziten Wahrscheinlichkeiten im Markt und externen Kursbewegungen in Echtzeit zu glätten. Bei dünner Liquidität am Wochenende kann das wehtun, denn wenn weniger echte Trader handeln, reicht weniger Kapital, um Kurse sichtbar zu verschieben – nur über aggressives Kaufen und Verkaufen im Orderflow.
Polymarket versucht mit dem sogenannten “Maker Rebates Program” die Stelle zu stabilisieren mit Hinweis auf Anpassungen des Funding-Schedules und der Berechnungslogik.
Pia ist Web3- und AI-Enthusiastin. Als studierte Geisteswissenschaftlerin liebt sie es, den Zeitgeist innerhalb der Gesellschaft zu beobachten und zu analysieren. Ehemalig im Think Tank und Forschungszentrum der Frankfurt School of Finance als Bitcoin-Talent und NFT-Talent im Frankfurt Blockchain Center. Wenn sie nicht gerade schreibt, surft sie gerne am Atlantik.
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