Token-Emittenten erhalten mit Base Cobalt programmierbare Regeln

Base Cobalt bringt Validity Transactions und B20-Funktionen für KYC, Token-Verwaltung und kontrollierte Transfers – mit neuen Governance-Risiken.

Raphael Adrian von Raphael Adrian Updated 4 Min. read
Token-Emittenten erhalten mit Base Cobalt programmierbare Regeln

Base hat Cobalt als drittes großes Netzwerk-Upgrade auf dem Mainnet aktiviert und erweitert damit sowohl nutzerdefinierte Transaktionsbedingungen als auch die Funktionen seines B20-Tokenstandards. Der von Coinbase incubierten Ethereum-Layer-2 geht es damit nicht nur um Handels- und Zahlungsanwendungen: Emittenten tokenisierter Vermögenswerte erhalten neue Compliance- und Verwaltungswerkzeuge, darunter kombinierbare KYC-Prüfungen und kontrollierte Guthabentransfers.

Validity Transactions und neue B20-Funktionen

Die sogenannten Validity Transactions werden erst dann für die Aufnahme in einen Block zugelassen, wenn zuvor festgelegte Onchain-Bedingungen erfüllt sind. Ein Nutzer könnte beispielsweise einen Swap signieren und einreichen, der nur dann ausgeführt werden kann, wenn ein Vermögenswert einen bestimmten Preis erreicht – und der nach Ablauf einer gesetzten Frist verfällt.

Die Bedingungen legen die Nutzer selbst fest und signieren auch die Transaktion. Laut der Darstellung des Base-Upgrades können solche Einreichungen bis zur Aufnahme Onchain privat bleiben; das könnte für Handelsstrategien relevant sein, bei denen Zeitpunkt und Sichtbarkeit einer Transaktion eine Rolle spielen. Die Funktion soll zudem den Aufwand verringern, Märkte fortlaufend zu beobachten und Transaktionen bei veränderten Bedingungen wiederholt einzureichen.

Für B20, Bases Tokenstandard für Emittenten, führt Cobalt unter anderem Composite Policies ein. Damit lassen sich Anforderungen wie KYC-Allowlists, Regeln zur Akkreditierung von Investoren und Sanktions-Blocklists durch logische Bedingungen kombinieren. So können mehrere Zugangsvoraussetzungen für einen Token abgebildet werden, ohne dafür zwingend getrennte Listen parallel zu verwalten.

Eine weitere Funktion ermöglicht es Emittenten, Änderungen am Display-Multiplikator eines Tokens zu terminieren. Das kann etwa bei einem Aktiensplit relevant sein: Die angezeigte Stückzahl lässt sich anpassen, ohne die zugrunde liegenden Token-Bestände zu verändern. Für Anleger ist dabei entscheidend, Anzeige und tatsächlichen Bestand auseinanderzuhalten.

Mit seizeWithMemo können autorisierte Administratoren unterstützter Token Guthaben neu zuordnen und eine Erklärung zum Transfer Onchain hinterlegen. Laut einem ergänzenden Bericht können Emittenten die Funktion aktivieren und festlegen, wer sie nutzen darf; Base selbst kann solche Transfers nicht auslösen. Für Anleger bedeutet das eine zusätzliche Eingriffsmöglichkeit auf Ebene des jeweiligen Tokens, nicht eine allgemeine Befugnis des Netzwerks über sämtliche Wallets.

Mehr Kontrolle für Emittenten – mit Governance-Risiken

Die neuen Werkzeuge passen zu Bases breiterer Positionierung als Infrastruktur für die Ausgabe und Verwaltung tokenisierter Vermögenswerte. B20 war am 8. Juli als nativer Standard für Stablecoins, tokenisierte Real-World Assets und weitere fungible Token aktiviert worden. Am 25. August startete Coinbase auf Base tokenisierte Aktien unter anderem von Apple, Nvidia, Meta und Alphabet.

Damit wird der Standard konkreter für Emittenten, die Zugangskriterien oder Anpassungen an ihren Token programmatisch verwalten wollen. Auch die Möglichkeit, unterschiedliche Prüfungen in einer Richtlogik zusammenzuführen, kann die Abbildung komplexerer Vorgaben erleichtern. Vergleichbare Vorstöße zur institutionellen Tokenisierung von Aktien zeigen, dass die Verwaltung und Übertragbarkeit solcher Produkte zum zentralen Teil der Infrastruktur wird.

Die zusätzliche Kontrolle hat jedoch eine Kehrseite: Wenn Administratoren Guthaben ohne Zustimmung des Inhabers verschieben können, kommt es auf Berechtigungen, Transparenz und die Governance des jeweiligen Emittenten an. Eine Onchain-Erklärung macht einen Eingriff nachvollziehbarer, verhindert ihn aber nicht. Die Funktion ist daher nicht mit einem frei verfügbaren Rückrufmechanismus für alle Base-Token gleichzusetzen.

Auch die Compliance-Funktionen gelten für die betreffenden B20-Token und deren Emittentenregeln. Sie bedeuten nicht, dass sämtliche Base-Nutzer oder alle Transaktionen auf dem Netzwerk KYC-pflichtig sind. Der regulatorische Rahmen für die Nutzung tokenisierter Vermögenswerte bleibt für Anbieter und Produkte jeweils gesondert zu beurteilen; ähnliche Infrastrukturansätze entstehen auch bei tokenisierten Wertpapieren auf Avalanche.

Weitere Base-Upgrades angekündigt

Base plant für die kommenden Monate, die Blockzeit von zwei Sekunden auf 200 Millisekunden zu reduzieren und Smart Accounts auf Protokollebene einzuführen. Hinzukommen sollen weitere Verbesserungen an der Ethereum Virtual Machine (EVM). Die angekündigten Schritte sind laut der Primärquelle noch nicht endgültig und können sich ändern.

Kryptowährungen sind pseudonym, aber nicht automatisch anonym; bei bestimmten tokenisierten Produkten können KYC- und Sanktionsprüfungen vorgeschrieben sein. Welche Anforderungen gelten, hängt vom jeweiligen Token und seinen Emittentenregeln ab – nicht pauschal von jeder Nutzung des Base-Netzwerks.

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Raphael Adrian

Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt. Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.

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