Clarity Act könnte scheitern: Doch Krypto-Fans haben Plan B

Der CLARITY Act soll erstmals einen umfassenden gesetzlichen Ordnungsrahmen für den amerikanischen Kryptomarkt schaffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wann ein Token als Wertpapier gilt und wann er als digitaler Rohstoff unter die Aufsicht der CFTC fällt. Zusätzlich enthält der Entwurf Regeln für Kryptobörsen, Broker, Emittenten und dezentrale Finanzanwendungen. Nach der Zustimmung des Repräsentantenhauses und […]

Raphael Adrian von Raphael Adrian Raphael Adrian Editor Raphael Adrian Updated 5 Min. read
Clarity Act könnte scheitern: Doch Krypto-Fans haben Plan B

Das Wichtigste in Kürze

  • Der CLARITY Act fehlt bislang auf dem entscheidenden Senatsfahrplan.
  • Polymarket sieht nur noch 31 Prozent Chance auf Unterzeichnung.
  • Politische Streitpunkte und die Sommerpause verzögern das Verfahren zusätzlich.
  • SEC und CFTC entwickeln mit Project Crypto einen Plan B.

Der CLARITY Act soll erstmals einen umfassenden gesetzlichen Ordnungsrahmen für den amerikanischen Kryptomarkt schaffen. Im Mittelpunkt steht die Frage, wann ein Token als Wertpapier gilt und wann er als digitaler Rohstoff unter die Aufsicht der CFTC fällt. Zusätzlich enthält der Entwurf Regeln für Kryptobörsen, Broker, Emittenten und dezentrale Finanzanwendungen.

Nach der Zustimmung des Repräsentantenhauses und der Verabschiedung im Bankenausschuss des Senats befindet sich das Gesetz grundsätzlich in einer entscheidenden Phase. Dennoch wächst die Skepsis: Der politische Zeitplan wird immer enger, während strittige Detailfragen und parteipolitische Konflikte eine schnelle Verabschiedung erschweren.

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CLARITY Act droht vor der Sommerpause erneut steckenzubleiben

Das größte Problem ist aktuell nicht zwingend eine fehlende grundsätzliche Unterstützung, sondern der parlamentarische Zeitdruck. Der CLARITY Act wurde zwar bereits vom Repräsentantenhaus beschlossen und passierte im Mai 2026 den Bankenausschuss des Senats mit 15 zu 9 Stimmen. Für die endgültige Verabschiedung muss das Gesetz jedoch noch durch das Plenum des Senats. Genau dort fehlt bislang der entscheidende nächste Schritt.

Auf dem für Montag veröffentlichten Ablauf des Senats findet sich keine Abstimmung über den CLARITY Act. Stattdessen ist lediglich eine Verfahrensabstimmung über ein Ausgabengesetz beziehungsweise eine sogenannte Continuing Resolution vorgesehen. Ende Juli sprach Senatorin Cynthia Lummis zwar noch im Senat für den CLARITY Act, eine sogenannte Cloture Motion zur Beendigung der Debatte und zur Einleitung des eigentlichen Abstimmungsprozesses wurde aber nicht eingereicht.

Damit wird das Zeitfenster äußerst knapp. Selbst wenn die republikanische Führung kurzfristig ein entsprechendes Verfahren einleiten würde, wären zunächst mehrere parlamentarische Zwischenschritte erforderlich. Im regulären Verfahren könnte nach Einreichung einer Cloture Motion frühestens einige Tage später über die Aufnahme der Beratungen abgestimmt werden. Das wäre jedoch noch nicht automatisch die finale Abstimmung über das Gesetz. Eine Beschleunigung wäre nur mit parteiübergreifender Zustimmung oder einstimmigem Einvernehmen möglich.

Zusätzlich beginnen die geplanten sitzungsfreien Wochen des Senats am 10. August. Danach kehren die Senatoren erst im September zurück. Dann warten bereits Haushaltsverhandlungen, Verteidigungsausgaben und zahlreiche Themen im Vorfeld der Zwischenwahlen. Der CLARITY Act könnte dadurch weiter nach hinten rutschen. Der offizielle Senatskalender weist vom 10. August bis zum 11. September eine längere sitzungsfreie Phase aus.

polymarket

Auch die politischen Prognosemärkte spiegeln die zunehmende Skepsis wider. Auf Polymarket lag die Wahrscheinlichkeit, dass der CLARITY Act noch 2026 unterzeichnet wird, im vorliegenden Screenshot nur noch bei 31 Prozent. Innerhalb kurzer Zeit sank die Quote um weitere neun Prozentpunkte. Das Handelsvolumen der Wette beträgt bereits rund 3,73 Millionen US-Dollar. Prognosemärkte liefern zwar keine sichere Vorhersage. Sie zeigen aber deutlich, dass Marktteilnehmer eine schnelle Einigung inzwischen für wesentlich unwahrscheinlicher halten als noch Anfang Juli.

Hinzu kommen inhaltliche Konflikte. Demokratische Senatoren kritisieren unter anderem mögliche Interessenkonflikte rund um Kryptogeschäfte der Trump-Familie. Außerdem gibt es weiterhin Diskussionen über Geldwäschevorschriften, DeFi-Protokolle, Stablecoins und die genaue Abgrenzung der Zuständigkeiten zwischen SEC und CFTC.

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Plan B: SEC und CFTC treiben eigene Kryptoregeln voran

Ein Scheitern oder eine weitere Verzögerung des CLARITY Act würde allerdings nicht bedeuten, dass die amerikanische Kryptoregulierung vollständig zum Stillstand kommt. SEC-Chef Paul Atkins erklärte Ende Juli, seine Behörde sei „bereit, willens und in der Lage“, Regeln zu den zentralen Fragen des Gesetzes selbst zu erlassen. Gleichzeitig betonte er jedoch, dass ein Gesetz langfristig mehr Rechtssicherheit bieten würde als regulatorische Entscheidungen einzelner Behörden.

Die Grundlage für diesen Plan B bildet Project Crypto. Die SEC hatte das Programm zunächst als eigene Initiative gestartet. Seit Januar 2026 wird es gemeinsam mit der Commodity Futures Trading Commission vorangetrieben. Ziel ist eine engere Abstimmung bei Token-Klassifizierungen, Handelsplätzen, Verwahrung, Clearing und Marktüberwachung. Atkins begründete die Zusammenarbeit damit, dass moderne Kryptomärkte nicht sauber entlang der traditionellen Grenzen zwischen Wertpapier- und Rohstoffaufsicht aufgeteilt werden können.

Im März unterzeichneten SEC und CFTC zudem eine formelle Kooperationsvereinbarung. Sie sieht gemeinsame Interpretationen und Regelwerke, abgestimmte Prüfungen sowie einheitlichere Vorgaben für Börsen, Broker und andere Marktteilnehmer vor. Damit könnten die Behörden viele praktische Probleme angehen, ohne zunächst auf ein neues Gesetz des Kongresses zu warten.

Erste Ergebnisse existieren bereits. Im März veröffentlichte die SEC eine umfassendere Token-Taxonomie. Dabei unterschied sie unter anderem zwischen digitalen Rohstoffen, digitalen Wertpapieren, Stablecoins, Sammlerstücken und digitalen Werkzeugen. Die Behörde stellte außerdem klar, dass nach ihrer Auffassung die meisten Kryptoassets nicht automatisch Wertpapiere sind. Zusätzlich behandelte sie Fragen rund um Staking, Mining, Airdrops und das Verpacken sogenannter Wrapped Tokens. Die CFTC erklärte, ihre Aufsichtspraxis mit dieser Interpretation abzustimmen.

Weitere SEC-Regeln könnten sich auf Ausnahmen für Token-Emissionen, die Verwahrung durch Broker, den Handel tokenisierter Wertpapiere und die Registrierung bestimmter Plattformen beziehen. Die regulatorische Agenda für 2026 nennt ausdrücklich klare Regeln für Kapitalbeschaffung mit Kryptoassets sowie für Onchain-Handel und Verwahrung.

Dieser Plan B hat jedoch Grenzen. Die SEC kann bestehende Wertpapiergesetze auslegen und eigene Regeln erlassen. Sie kann der CFTC aber nicht per Verordnung umfassende neue Zuständigkeiten für den Spotmarkt übertragen. Genau dafür wäre ein Gesetz wie der CLARITY Act erforderlich. Kurzfristig können die Behörden daher mehr Rechtssicherheit schaffen. Ein dauerhaft stabiles und gegenüber künftigen Regierungen belastbares Marktmodell bleibt jedoch weiterhin vom Kongress abhängig.

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Raphael Adrian

Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt. Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.

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