Irans Zentralbank kaufte 2025 mehr als 500 Millionen Dollar in USDT und nutzte sie gezielt zur Stabilisierung des Rials.
Die Stablecoins wurden auch eingesetzt, um internationale Handelsgeschäfte trotz westlicher Sanktionen abzuwickeln.
Experten warnen, dass die Blockchain-Transparenz paradoxerweise Sanktionen sogar erleichtern könnte.
Die jüngsten Enthüllungen zur Nutzung von Tether (USDT) durch die iranische Zentralbank sorgen für Furore in der internationalen Finanzwelt. Mehr als 500 Millionen US-Dollar in Form des führenden Stablecoins wechselten demnach im vergangenen Jahr die Wallets des Landes und wurden gezielt eingesetzt, um die notleidende Landeswährung Rial zu stützen und internationale Zahlungen trotz Sanktionen zu gewährleisten.
Wie konnte es so weit kommen – und welche Folgen hat diese stille Krypto-Revolution für Iran und den globalen Zahlungsverkehr? Dieser Artikel bietet exklusive Einblicke, wie Blockchain-Technologie und digitale Vermögenswerte die Machtbalance verschieben – und warum die Spur ausgerechnet hier nicht im Sand, sondern auf der öffentlichen Blockchain verläuft.
Einblicke in den Megadeal: Tether als Brücke zum Weltmarkt
Wie die britische Blockchain-Analysefirma Elliptic berichtet, hat die Zentralbank Irans innerhalb von nur wenigen Monaten wiederholt größere Mengen USDT erworben. Wie gelangte diese hohe Summe ins Land? Laut geleakten Dokumenten liefen die zwei größten Käufe im Frühjahr 2025 über Mittelsmänner mit Sitz in den Vereinigten Arabischen Emiraten ab. Die Koordination erfolgte offenbar über einen Dienstleister namens Modex, der wie ein Krypto-Broker agierte und bereit war, mit staatlichen Akteuren in Iran zusammenzuarbeiten.
Zwar bleibt unklar, über welche Kanäle das restliche USDT-Volumen bezogen wurde, doch Elliptic ist sich sicher: Es existiert ein sorgfältig verschleiertes Netzwerk, das speziell für diese Transaktionen aufgebaut wurde. Das belegt, dass selbst strengste Sanktionen überwunden werden können, wenn das technische Wissen vorhanden ist.
Digitale Strategie: Den Rial mit Stablecoins retten
Warum setzt ein Land wie Iran überhaupt auf eine Stablecoin wie USDT? Die Antwort ist komplex, aber logisch: Der Rial, ohnehin durch Inflation und politische Unsicherheit geschwächt, sollte durch das Einspeisen von zusätzlicher Dollar-Liquidität an den Krypto-Börsen vor Ort unterstützt werden. Die Zentralbank leitet das USDT-Volumen unter anderem an Irans größte Kryptobörse Nobitex weiter. Das Ziel: Die lokale Bevölkerung mit einer direkt verfügbaren US-Dollar-Alternative zu versorgen und so die Abwertung des Rials gegenüber anderen Währungen einzudämmen. Dieser digitale Schutzwall gegen die Erosion der Landeswährung ist somit eine Reaktion auf internationale Handelsbeschränkungen und den faktischen Ausschluss aus dem SWIFT-Zahlungssystem – und ein innovativer, wenn auch umstrittener, Versuch wirtschaftlicher Selbstbehauptung.
🚨 New Elliptic research: We have identified wallets used by Iran's Central Bank to acquire at least $507 million worth of cryptoassets.
The findings suggest that the Iranian regime used these cryptoassets to evade sanctions and support the plummeting value of Iran's currency,… pic.twitter.com/I7NHGO0wtP
Plötzliche Änderungen nach Cyberangriff auf Nobitex
Doch die digitale Strategie wurde Mitte 2025 auf eine harte Probe gestellt: Pro-israelische Hacktivisten knackten die Security der Börse Nobitex und transferierten Krypto-Guthaben im Wert von über 90 Millionen US-Dollar ab. In der Folge wich die iranische Zentralbank auf alternative technische Lösungen aus. Sie nutzte sogenannte Cross-Chain-Bridges, um USDT von der TRON-Blockchain auf die Ethereum-Blockchain zu transferieren – ein Schritt, der die weitere Umverteilung auf dezentrale Börsen ermöglichte. Nach und nach wurde das gesamte identifizierte Volumen von mehr als 500 Millionen USDT auf unterschiedlichste Wallets, Blockchains und schließlich zentrale Exchanges verteilt. Trotzdem bleibt die Spur für Blockchain-Experten nachvollziehbar – ein Beweis für die unveränderliche Transparenz verteilter Hauptbücher.
Die Blockchain als zweischneidiges Schwert für Sanktionen
Bemerkenswert ist, dass Iran zwar Systeme erschuf, um die eigenen Handelsinteressen zu schützen, dabei aber gleichzeitig die Überwachung durch Blockchain-Analyse-Firmen entscheidend erleichterte. Elliptic betont in seinem Blog, dass jede größere Transaktion transparent in der Blockchain nachverfolgbar bleibt. Ironischerweise könnten digitale Assets wie USDT so sogar Instrumente zur effektiveren Durchsetzung von Sanktionen werden. Besonders heikel: Stablecoin-Emittenten wie Tether haben die Möglichkeit, Adressen auf Anweisung von Behörden einzufrieren – und nutzten dieses Mittel bereits, als sie 2025 Wallets mit angeblichen CBI-Verbindungen blockierten und über 37 Millionen Dollar USDT froren. Diese Demaskierung verdeutlicht, wie schnell ein scheinbar anonymer Krypto-Transfer zum Verhängnis werden kann.
🇮🇷 IRAN’S CENTRAL BANK USED $507M OF CRYPTO, REPORT SAYS
New report says Iran’s central bank moved over $507M in $USDT stablecoins.
Tether says it follows US sanctions rules, but many of the Iranian accounts remain active. pic.twitter.com/b3VOLPfoPE
Stabilität durch Schattenbanken: Der neue Eurodollar aus der Blockchain
Die Analyse von Elliptic macht deutlich, dass Iran in Abwesenheit klassischer Offshore-Konten versucht, mit Stablecoins ein „sanctions-proof“ Banking System aufzubauen. Durch die Nutzung von USDT als digitalem Ersatz für Dollar-Konten schafft das Land eine Art Schattenfinanzsystem, das weitgehend außerhalb der Reichweite westlicher Behörden funktioniert. Diese „digitalen Offshore-Eurodollar“ bieten dem Regime eine Möglichkeit, Wert zu speichern, Trasaktionen durchzuführen und internationale Geschäfte abzuwickeln – ohne je auf offizielles Bank- oder SWIFT-System angewiesen zu sein. Die Implikationen könnten weitreichend sein, da sich weitere wirtschaftlich isolierte Staaten an diesem Modell orientieren könnten.
Tether als Schlüsselspieler: Kontrolle durch Emittenten
Auch Tether selbst positioniert sich angesichts dieser Entwicklungen als verantwortungsvoller Akteur. Das Unternehmen betont, dass es weltweit mit mehr als 300 Strafverfolgungsbehörden kooperiert und im Zuge des Ukraine-Kriegs und anderer Situationen immer wieder Wallets von sanktionierten Staaten einfriert. Über 3,8 Milliarden US-Dollar seien so bereits immobilisiert worden. Das unterstreicht: Während sich Staaten wie Iran innovative Wege für den Zugang zu globalen Finanzsystemen erschließen, wächst gleichzeitig die Macht von Stablecoin-Emittenten und Server-Administratoren, die über zentrale Blacklists faktische Kontrolle auf Blockchain-Basis ausüben können. Eine vermeintlich dezentrale Technologie wird so zum Werkzeug globaler Regulierung.
Iran’s crypto market has surged to $7.78 billion, fueled by the central bank and the Revolutionary Guards stepping up digital asset use.
Government agencies are buying, mining, and trading hundreds of millions.
Für andere sanktionierte Staaten bietet das iranische Beispiel ein anschauliches Modell, aber auch eine Warnung. Die Einsetzbarkeit und Zuverlässigkeit von Stablecoins steht und fällt nicht nur mit der technischen Infrastruktur, sondern auch mit internationaler Politik und der Handlungsbereitschaft der Emittenten. Staaten, die Krypto strategisch nutzen wollen, müssen damit rechnen, dass ihre digitales Kapital ohne Vorwarnung eingefroren wird. Andererseits könnten Blockchains und Stablecoins für autarke Volkswirtschaften neue Perspektiven eröffnen – vorausgesetzt, die eigene technische Souveränität ist gewährleistet. Die rasche Anpassungsfähigkeit Irans an Hackerangriffe und externe Kontrolle ist dabei ebenso beeindruckend wie riskant.
Während das genaue Ausmaß der Aktivitäten nach wie vor im Verborgenen liegt, sind sich Experten einig: Krypto-Transaktionen von Iran werden weitergehen. Die iranische Zentralbank könnte bereits neue, bislang unbekannte Wallets verwenden, um künftige Sanktionen zu umgehen. Die immer wieder wechselnden technischen Lösungen – vom Einsatz von Cross-Chain-Bridges bis zu neuen dezentralen Börsen – zeigen, dass die digitale Parallelwelt im Finanzwesen angekommen ist und weiter wachsen wird. Die Innovationsdynamik vieler Schwellenländer hat sich dank Blockchain beschleunigt und führt dazu, dass auch strenge Regulierungen immer wieder umgangen werden – ein permanentes digitales Wettrüsten ist die Folge.
Iranian influencer explaining the dire situation in Iran to her Chinese audience in Mandarin. Rial depreciated over 100 times to Yuan in the past 15 years. There are no eggs, there is no meat. People struggle to put food on the table. It’s pointless for people to work now.… pic.twitter.com/LNHh3yb25G
Die Geschichte rund um Irans Tether-Transaktionen verdeutlicht, dass Kryptowährungen längst mehr als nur ein digitales Spielgeld sind. Sie sind politisches Werkzeug, Rettungsanker, aber auch Risiko. Die zunehmende Regulierung und der Einsatz von Blockierungen durch Stablecoin-Emittenten setzen der vermeintlichen Autonomie von Staaten und Nutzern klare Grenzen. Dennoch bleibt klar: Ohne Blockchain und die technische Flexibilität digitaler Währungen würde ein Land wie Iran kaum in der Lage sein, am internationalen Handel teilzunehmen. Die entscheidende Frage lautet: Wird diese digitale Parallelwelt zu mehr Freiheit führen – oder nur neue Machtstrukturen zementieren?
Sergei Timurov ist seit 2016 großer Bitcoin Fan und ihn begeistert die Freiheits Idee sowie die Unabhängigkeit von Bitcoin. Sergei ist Bitcoin Maximalist und der Überzeugung, dass sich nur Bitcoin für einen langfristigen Vermögensaufbau eignet. Neben seinen journalistischen Tätigkeiten betreibt Sergei Bitcoin Mining und Freistil-Ringen sowie kocht köstliche Gerichte aus seiner ursprünglichen Heimat Georgien.
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