Belarus hat per Präsidentenerlass einen Rechtsrahmen für Krypto-Banken geschaffen und Token-Dienstleistungen in ein staatlich überwachtes Modell überführt.
Krypto-Banken sollen als Aktiengesellschaften arbeiten und Bank-, Zahlungs- und Abwicklungsdienste mit tokenbasierten Transaktionen verbinden dürfen; der Zugang läuft über Hi-Tech-Park und Register.
Unter anderem SWIFT-Restriktionen gegen belarussische Banken haben Belarus zusätzlich unter Druck gesetzt.
Token-Services sollen nicht „wild“, sondern über genehmigte Strukturen laufen – mit potenziellen Nebenwirkungen für Sanktionen, AML und internationale Gegenmaßnahmen.
Krypto-Banken in Belarus dank Präsidentenerlass
Belarus zieht eine klare Linie: Token-Finanzdienstleistungen sollen nicht länger als Parallelwelt neben dem Bankensektor existieren, sondern innerhalb eines formalisierten Rahmens stattfinden. Grundlage ist ein Präsidentenerlass, mit dem Minsk erstmals Krypto-Banken als eigene Kategorie definiert und in das staatlich kontrollierte Finanzsystem integriert.
Krypto-Banken sind laut Erlass Aktiengesellschaften, die klassische Banklogik (Zahlungsverkehr, Abwicklung) mit tokenbasierten Transaktionen kombinieren dürfen. Der Marktzugang wird an Bedingungen geknüpft – insbesondere an die Anbindung an den staatlichen Hi-Tech-Park (HTP) sowie an ein formales Register- und Aufsichtssetup.
Innerhalb von sechs Monaten soll die erste Krypto-Bank stehen. Perspektivisch ist von Produkten die Rede, die weit über „Krypto-Handel“ hinausgehen – etwa Karten- und Zahlungsfunktionen, tokenbezogene Kontenlogik oder kreditnahe Services.
Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Belarus ist seit Jahren Ziel westlicher Sanktionen; seit 2022 kamen im Kontext des Ukrainekriegs zusätzliche Restriktionen hinzu. Auf EU-Ebene gehört dazu auch die Restriktion von SWIFT-Finanzmessaging für belarussische Banken sowie weitere finanzielle Beschränkungen. Auch schon im dritten Quartal 2025 setzte Belarus auf Kryptowährungen als Reaktion auf Sanktionen.
Auf US-Seite wird der Druck flankiert: Das US-Finanzministerium hat wiederholt Maßnahmen gegen belarussische Netzwerke angekündigt, unter anderem mit Verweis auf Sanktionsumgehung und Unterstützung russischer Kriegslogistik.
Vor diesem Hintergrund ist die Krypto-Banken-Regulierung doppeldeutig: offiziell Fintech-Modernisierung und „Ordnung“ im Token-Sektor – de facto aber auch ein Signal, dass Minsk alternative Finanzschienen institutionalisieren will, ohne sich auf westliche Infrastruktur zu verlassen.
Kontrolle statt Wildwest: Token-Dienste sollen „staatstauglich“ werden
Schon mit Decree No. 8 (2017) wurde ein Rechtsrahmen geschaffen, der Blockchain- und Token-Aktivitäten (insbesondere im HTP-Kontext) legal strukturieren sollte.
Die neue Krypto-Bank-Kategorie wirkt wie der nächste Schritt: nicht mehr nur „Krypto im Sonderregime“, sondern Token-Services als Bank-/Zahlungsinfrastruktur – allerdings ausdrücklich über genehmigte Institute und nicht als unkontrollierte Peer-to-Peer-Landschaft. Das ist für Minsk politisch attraktiv: Wer den Geldfluss nicht vollständig öffnen kann (oder will), versucht ihn kanalisierbar zu machen. Neue Wege der Sanktionsumgehung.
Fazit
Belarus versucht, Token-Finanzdienste nicht zu liberalisieren, sondern zu kanalisieren: Krypto soll über genehmigte Institute laufen – kontrolliert, registriert, beaufsichtigt. Aber das macht das Projekt geopolitisch heikel: Je „bankfähiger“ die Infrastruktur wird, desto eher kann sie als Sanktions-Bypass gelesen werden – und desto wahrscheinlicher ist zusätzliche Aufmerksamkeit westlicher Aufseher, was zu neuen Sanktionszielen führen könnte.
Pia ist Web3- und AI-Enthusiastin. Als studierte Geisteswissenschaftlerin liebt sie es, den Zeitgeist innerhalb der Gesellschaft zu beobachten und zu analysieren. Ehemalig im Think Tank und Forschungszentrum der Frankfurt School of Finance als Bitcoin-Talent und NFT-Talent im Frankfurt Blockchain Center. Wenn sie nicht gerade schreibt, surft sie gerne am Atlantik.
Wir verwenden Cookies, um Ihnen die bestmögliche Nutzung unserer Website zu ermöglichen. Wenn Sie diese Website weiter nutzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit zufrieden sind.Ok