Die Aave Chan Initiative (ACI) kündigt an, ihr Mandat nicht zu verlängern und die Arbeit über vier Monate bis zum Ausstieg herunterzufahren.
Kurz zuvor erklärte BGD Labs, nach Vertragsende am 1 April 2026 keine Beiträge mehr für die Aave DAO zu leisten – mit Verweis auf ein zunehmend asymmetrisches Machtgefüge.
Der AAVE-Kurs liegt heute bei rund 110 US-Dollar.
Aave ist gerade das Musterbeispiel dafür, wie schnell ein DeFi-Protokoll operativ stark bleiben kann, während die politische Statik der DAO knirscht. Auf der einen Seite stehen Zahlen, die nach „läuft“ schreien: Allein Aave V3 kommt laut DefiLlama auf rund 26 Milliarden US-Dollar TVL. Auf der anderen Seite eskaliert ein Streit, der sich nicht mehr um Detailfragen dreht, sondern um die Grundfrage: Wer kontrolliert Marke, Roadmap, Einnahmenströme – und am Ende das Stimmgewicht?
Zwei Abgänge, ein gemeinsamer Nenner: Macht und Vertrauen
Der Abgang ist nun offiziell: In einem Beitrag im Aave-Governance-Forum schreibt ACI-Gründer Marc Zeller unmissverständlich, ACI werde keine Verlängerung des Engagements anstreben und über vier Monate „wind down“. ACI will in dieser Zeit Governance-Arbeit fortführen, offene Verpflichtungen („Skyward“) umsetzen und die Übergabe von Infrastruktur und Tools organisieren.
Als Auslöser beschreibt ACI eine Kettenreaktion: BGD Labs – das Team hinter zentralen Teilen der V3-Codebasis – wäre “walked away”, Bedingungen für ein verantwortungsvolles Vorgehen seien unbeantwortet geblieben, und der darauffolgende Temp-Check sei aus Sicht von ACI durch Labs-verknüpfte Adressen entschieden worden.
BGD selbst begründet den Schritt in seinem eigenen Forumspost deutlich struktureller: Aave Labs habe durch externe Faktoren eine „sehr starke Position“, unter anderem über Kontrolle von Brand- und Kommunikationskanälen sowie „important voting power“, was aus BGD-Sicht schwer zu überwinden sei, ohne Zentralisierung zu riskieren. Und dann steht da der Satz, der in DAOs wie ein Feueralarm wirkt: Nach Ende des Service-Engagements am 1. April 2026 werde man keine Erneuerung anstreben und die Beiträge einstellen.
🤝 @bgdlabs to end @aave contributions amid governance disputes#BGDLabs said it will stop contributing to the #Aave DAO after its current service agreement ends on April 1, concluding nearly four years of work on the Aave ecosystem.
Der Deal, der alles hochzieht: „Aave Will Win“ und die 75.000 AAVE
Im Zentrum der aktuellen Schlammschlacht steht das „Aave Will Win“-Framework von Aave Labs. Der Vorschlag ist strategisch groß gedacht: 100 Prozent der Einnahmen aus Aave-gebrandeten Produkten sollen an die DAO-Treasury fließen. Gleichzeitig enthält das Paket eine Finanzierung, die bei vielen Delegierten die Alarmglocken triggert: Aave Labs fordert 25 Millionen US-Dollar in Stablecoins, 75.000 AAVE sowie zusätzliche Grants, die an Produkt-Launches gekoppelt sind.
Wichtig für die Einordnung: Aave Labs beschreibt selbst, dass es sich hier um eine strukturelle Entscheidung handelt, weil bei kompletter Abgabe der Produktumsätze die Finanzierung von Labs-Aktivitäten in Richtung DAO wandert.
Der Temp Check als erste Abstimmungsstufe ist inzwischen durch – allerdings nur als Signal, nicht als bindender On-Chain-Beschluss. Laut CoinMarketCap schloss der Snapshot-Temp-Check mit 52,58 Prozent Zustimmung, 42 ProzentAblehnung und 5,42 Prozent Enthaltung; danach geht es in die ARFC-Phase (Final Comment), bevor überhaupt ein bindender AIP-Vote möglich wäre.
Dass die Abstimmung durch ist, bestätigte auch Aave-Gründer Stani Kulechov auf X:
Temp Check for the Aave Will Win proposal has passed. This brings Aave Labs closer to a fully token-centric model, directing 100% of product revenue to the $AAVE token.
Next step: refine the proposal with structural improvements for the ARFC stage based on community feedback.…
„Keine gesunde Governance“ – der Satz, der hängen bleibt
Der Soundtrack dieser Auseinandersetzung kommt nicht aus irgendwelchen Telegram-Gruppen, sondern aus dem Aave-Forum selbst. In einem Beitrag im Temp-Check-Thread formuliert Marc Zeller den Vorwurf, Labs verhalte sich, als könne es Ergebnisse unabhängig vom Governance-Prozess durchsetzen – und er werde „nicht so tun“, als sei das gesunde Governance. In derselben Passage fällt auch die Metapher, die inzwischen überall zitiert wird: „the fox controls the henhouse“.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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