Der zugrunde liegende Mechanismus ist bedeutender als die bloße Nachricht: Das Ethereum-Ökosystem hat laut Lubin eine „Divergenzphase“ durchlaufen.
In dieser Phase – formalisiert um 2020–2021 – hat die Rollup-zentrierte Roadmap die Ausführung bewusst auf Layer-2-Netzwerke wie Linea und Gnosis ausgelagert.
Dies sollte der Zero-Knowledge-Technologie ermöglichen, in Produktionsumgebungen zu reifen, bevor sie wieder in Layer 1 (L1) integriert wird.
In den aktuellen Nachrichten erklärte Consensys-CEO und Ethereum-Mitbegründer Joe Lubin, dass Ethereum (ETH) innerhalb der nächsten drei bis fünf Jahre zu einem vollständig auf Zero-Knowledge-Proofs (ZK) basierenden Protokoll werden könnte. Er stützt diese Prognose auf den „Lean Ethereum“-Vorschlag des Ethereum-Foundation-Forschers Justin Drake, der durch native ZK-Verifizierung auf Layer 1 eine Kapazität von über 10.000 Transaktionen pro Sekunde auf dem Mainnet anstrebt.
Lubins Äußerungen fallen in eine Zeit, in der Ethereums Layer 1 weiterhin unter erheblichem Durchsatzdruck steht. Zudem hat sich Vitalik Buterin öffentlich davon distanziert, Rollups als dauerhaftes architektonisches Ziel zu betrachten. Anfang 2026 konstatierte Buterin, dass die meisten L2-Netzwerke eher zu „branded shards“ (markengebundenen Shards) geworden seien, anstatt wirklich differenzierte Ausführungsumgebungen darzustellen.
Joe Lubin predicts Ethereum could become a fully ZK-proof protocol in 3-5 years.
In a June 10 interview, the Ethereum co-founder said ongoing ZK innovations will strengthen the L1 while delivering synchronous composability with L2s, enabling atomic execution and unified…
Die analytische Kernfrage lautet nicht, ob Ethereum irgendwann ZK-Proofs integrieren wird, sondern ob Lubins Umdeutung der Rollup-Ära als bewusste strategische Phase einen kohärenten Langzeitplan widerspiegelt – oder eine nachträgliche Erzählung für eine Roadmap ist, die sich weiter vom ursprünglichen Ziel entfernt hat als geplant.
Ethereum News: Die ZK-Konvergenz-Roadmap und Lubins neuer Rahmen
Der zugrunde liegende Mechanismus ist bedeutender als die bloße Nachricht: Das Ethereum-Ökosystem hat laut Lubin eine „Divergenzphase“ durchlaufen. In dieser Phase – formalisiert um 2020–2021 – hat die Rollup-zentrierte Roadmap die Ausführung bewusst auf Layer-2-Netzwerke wie Linea und Gnosis ausgelagert. Dies sollte der Zero-Knowledge-Technologie ermöglichen, in Produktionsumgebungen zu reifen, bevor sie wieder in Layer 1 (L1) integriert wird.
Diese Reintegration bezeichnet Lubin als „Konvergenzphase“. Dabei wandert das Echtzeit-ZK-Proving, das bereits auf L2s läuft, nach oben auf das Mainnet. Ziel ist es, die Unterscheidung zwischen den verschiedenen Ebenen letztlich in einem einzigen atomaren Ausführungskontext aufzulösen, in dem sich Assets ohne Bridges bewegen und die Liquiditätsfragmentierung verschwindet.
Der „Lean Ethereum“-Vorschlag von Justin Drake setzt dieses Konvergenzziel auf L1 mit einer Durchsatz-Obergrenze von über 10.000 TPS um. Dies entspräche einer Steigerung der aktuellen Mainnet-Kapazität um eine Größenordnung und wäre eine direkte Antwort auf konkurrierende L1-Architekturen. So befindet sich beispielsweise das Alpenglow-Upgrade von Solana derzeit in der Validator-Testphase, wobei eine Finalität im Sub-Sekunden-Bereich als zentrales Leistungsmerkmal beworben wird.
Es ist jedoch wichtig, den Status einiger Details kritisch einzuordnen. Über den Zeitplan für den phasenweisen Rollout – eine optionale Validator-Phase 2026 und ein obligatorischer Übergang bis 2027 – wurde in ergänzenden Berichten spekuliert, eine unabhängige Bestätigung durch die Ethereum Foundation steht zum Zeitpunkt der Veröffentlichung jedoch noch aus.
Was hingegen bestätigt ist: Die EF hat Pläne für einen optionalen L1-zkEVM-Client als ersten Schritt zur vollständigen ZK-Integration veröffentlicht. Zudem nutzt Lubins eigenes Projekt Linea (Consensys) bereits ZK-Proofs im Live-Betrieb, einschließlich Experimenten zur synchronen Komponierbarkeit – ein Ziel, das Lubin zuvor als den „heiligen Gral unseres Ökosystems“ bezeichnete. Die Ethereum Economic Zone von Gnosis, die teilweise von ehemaligen EF-Mitarbeitern entwickelt wurde, verfolgt ähnliche Ziele: einen gemeinsamen Ausführungskontext zwischen L1 und L2 mit engerer Komponierbarkeit und geteilter Sicherheit.
Ungeklärt bleibt, wie schnell die obligatorische zkEVM-Verifizierung auf der Konsensebene die notwendigen Audits, formalen Verifizierungen und die Arbeit an der Client-Diversität durchlaufen kann. Einige Protokoll-Entwickler schätzen diese Zeiträume als deutlich länger ein, als Lubins Drei-bis-Fünf-Jahres-Fenster vermuten lässt.
Bezüglich der Umstrukturierung der Ethereum Foundation äußerte sich Lubin unmissverständlich: „Es wird keine zweite Foundation geben.“ Stattdessen deutete er an, dass mindestens drei Gruppen aus der Ethereum Foundation ausgegliedert werden. Diese sollen sich auf spezifische Aufgaben wie die Kernprotokoll-Entwicklung, Benutzerfreundlichkeit und Skalierbarkeit sowie institutionelle Reichweite konzentrieren, während sich die EF selbst auf ihre sogenannten „CROPs“-Komponenten beschränkt. Diese organisatorische Segmentierung wird nicht als Zeichen von Instabilität gewertet, sondern als Vorbereitung auf die Koordinationsanforderungen eines ZK-fokussierten Protokollwechsels.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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