Promoter „Bitcoin Rodney“ gesteht Beteiligung am 1,8-Milliarden-Dollar-Betrug von HyperFund.
Die US-Justiz geht nun gezielt strafrechtlich gegen die Promoterschicht vor.
Burtons Urteil folgt im Juli, während Mitgründer Sam Lee flüchtig bleibt.
Rodney Burton, bekannt unter dem Pseudonym „Bitcoin Rodney“, hat sich vor einem US-Bundesgericht schuldig bekannt, Teil eines der größten Krypto-Betrugsfälle der jüngeren Geschichte gewesen zu sein: Der 56-jährige Floridianer gestand die Verschwörung zum Betrieb eines nicht lizenzierten Geldtransfergeschäfts im Zusammenhang mit der HyperFund-Plattform, die nach Angaben der Staatsanwaltschaft insgesamt 1,8 Milliarden US-Dollar von Investoren weltweit einsammelte. Burton selbst soll dabei mindestens 7,8 Millionen Dollar aus den Erlösen der Operation erhalten haben.
Dies ist nicht bloß das Schuldbekenntnis eines nachgeordneten Promoters. Es markiert einen strukturellen Einschnitt in der Strafverfolgungsstrategie der US-Behörden: Die Anklage richtet sich erstmals explizit gegen die Promoterschicht – also jene Multiplikatoren, die Schneeballsysteme durch soziale Netzwerke, persönliche Events und Empfehlungsprämien in die Breite tragen, ohne formal als Gründer oder Geschäftsführer zu agieren.
HyperFund: Der Mechanismus hinter dem 1,8-Milliarden-Schema
Der Mechanismus dahinter sieht wie folgt aus: HyperFund versprach Investoren tägliche Passivrenditen zwischen 0,5 und 1 Prozent – angeblich finanziert durch Einnahmen aus einem der weltweit größten Krypto-Mining-Betriebe. Tatsächlich existierten diese Mining-Operationen nicht. Auszahlungen wurden, dem klassischen Ponzi-Muster entsprechend, primär aus den Einlagen neu geworbener Investoren bestritten, bis das System im November 2022 kollabierte.
Die Plattform durchlief mehrere Rebranding-Zyklen – gestartet im Januar 2022 als HyperCapital, umbenannt rund sechs Monate später in HyperFund -, ein Muster, das Regulatoren typischerweise bei Schneeballsystemen beobachten, die unter wachsendem Auszahlungsdruck stehen und durch Neuaufstellung Zeit gewinnen wollen. Die SEC beschreibt in ihrer zivilrechtlichen Beschwerde, dass über 100.000 Investoren weltweit betroffen waren und der Schaden sich auf mehr als 1,7 Milliarden Dollar beläuft – diese Zahl ist mit Vorsicht zu genießen, da sie auf den Angaben der Behörde basiert und zivilrechtliche Schadensberechnungen methodisch von strafrechtlichen Feststellungen abweichen können.
Burton kontrollierte laut Anklageschrift mehrere Scheinfirmen, die vorgaben, Beratungsleistungen zu erbringen, und nutzte Investorengelder unter anderem für den Erwerb von Luxusimmobilien, Sportwagen und einer Yacht. Die Staatsanwaltschaft des District of Maryland, die den Fall gemeinsam mit der IRS Criminal Investigation Unit in Washington und Homeland Security Investigations New York verfolgte, wertete Burtons Rolle als zentral für die Expansionsdynamik des Schemas.
Verfahrensstand: Burton, Chunga und der flüchtige Sam Lee
Burtons Verurteilung ist für den 23. Juli angesetzt; er sieht sich einem Strafrahmen von maximal fünf Jahren Bundesgefängnis gegenüber. Die Mitangeklagte Brenda Chunga, in der Krypto-Szene als „Bitcoin Beautee“ bekannt, hat sich ebenfalls bereits schuldig bekannt – in einem separaten Verfahren wegen Verschwörung zum Wertpapierbetrug und Drahtbetrug. Chungas Urteilsverkündung, die mehrfach verschoben wurde, ist nun für den 29. Juni terminiert.
Der mutmaßliche Mitgründer Sam Lee, ein 35-jähriger Australier, wurde zwar im Januar 2024 zusammen mit Chunga angeklagt, gilt jedoch bislang als nicht schuldig gesprochen – und nach übereinstimmenden Berichten als außerhalb der USA aufhältig. Es ist zu vermuten, dass die weitere Entwicklung des Falls maßgeblich davon abhängt, ob US-Behörden Auslieferungsschritte gegen Lee einleiten können oder ob das Verfahren gegen ihn vorerst auf Eis bleibt.
Einordnung: HyperFund in der Taxonomie großer Krypto-Betrugsfälle
Die entscheidende analytische Frage ist nun nicht mehr, ob HyperFund ein Schneeballsystem war – das ist gerichtlich belegt. Entscheidend ist vielmehr, welche strukturellen Konsequenzen dieser Fall für die Strafverfolgung im Krypto-Sektor hat. HyperFund reiht sich in eine Kategorie ein, die das Justizministerium als großangelegte grenzüberschreitende Drahtbetrugs-Netzwerke beschreibt – vergleichbar mit OneCoin (über 4 Milliarden Dollar Schaden) und BitConnect (geschätzt über 2 Milliarden Dollar), wenngleich diese Vergleichszahlen ihrerseits auf Behördenangaben basieren und als weit verbreitete Schätzungen zu verstehen sind.
Was den HyperFund-Komplex von früheren Fällen unterscheidet, ist die konsequente Verfolgung der Promoterschicht: Krypto-Fraud-Analysten werten Burtons Schuldbekenntnis als Signal, dass Influencer und bezahlte Promoter, die unregistrierte Rendite-Plattformen bewerben, nun mit realen strafrechtlichen Konsequenzen rechnen müssen – unabhängig davon, ob sie formal in die Konstruktion des Schemas eingebunden waren. Die SEC-Zivilklage gegen Chunga und Lee ergänzt die strafrechtliche Verfolgung um einen zivilrechtlichen Arm, der auf Rückzahlung, Bußgelder und Branchenverbote abzielt.
Die Frage, ob der laufende Regulierungsrahmen in den USA ausreicht, um solche grenzüberschreitenden Schneeballsysteme frühzeitig zu unterbinden, bleibt strukturell offen – und ist einer der Antriebe hinter laufenden Gesetzgebungsinitiativen wie dem CLARITY Act. Burtons Sentencing am 23. Juli und Chungas unmittelbar bevorstehende Urteilsverkündung werden zeigen, welchen Strafrahmen US-Gerichte für die Promoterschicht in Krypto-Ponzi-Fällen für angemessen erachten – ein Präzedenzfall mit Signalwirkung für eine gesamte Branche von Social-Media-Promotern.
Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt.
Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.
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