AMC-Exposure entfacht Streit um Rechte bei Token-Aktien

Tokenisierte Aktien sorgen für Streit zwischen Robinhood und AMC: Vlad Tenev erklärt, wann Emittenten einer Ausgabe zustimmen müssen.

Raphael Adrian von Raphael Adrian Updated 3 Min. read
AMC-Exposure entfacht Streit um Rechte bei Token-Aktien

Robinhood-CEO Vlad Tenev hat sich gegen die Vorstellung gewehrt, dass börsennotierte Unternehmen automatisch die Kontrolle über Blockchain-Produkte besitzen, die sich auf ihre Aktien beziehen. Ausgelöst wurde die Debatte durch AMC-CEO Adam Aron, der Robinhood zuvor öffentlich kritisiert hatte, weil das Unternehmen ein tokenisiertes AMC-Exposure ohne Zustimmung von AMC geschaffen hatte.

Aus Sicht des Kinobetreibers entsteht dadurch ein neuer Zugangsweg zu einem Investment in AMC, ohne dass AMC eine direkte Beziehung zu diesen Anlegern hat. Aron äußerte seine Kritik zuletzt öffentlich auf X, wo er die Praxis scharf zurückwies und deren Legalität grundsätzlich infrage stellte.

Tenevs Test für die Zustimmung der Emittenten

Tenev verteidigte seine Position laut CNBC in einem Gespräch mit dem Format Squawk Box am 9. September. Sinngemäß argumentierte er, dass Emittenten zwar Kontrolle über die Rechte und Pflichten der von ihnen ausgegebenen Aktien haben, nicht aber automatisch über andere Unternehmen, die eigene Wertpapiere mit Bezug auf diese Aktien auflegen.

Daraus leitet Tenev einen konkreten Test ab: Die Zustimmung des Emittenten soll dann erforderlich sein, wenn ein Token die mit der zugrunde liegenden Aktie verbundenen Rechte tatsächlich verändert. Bleibt das Token hingegen ein separates Finanzinstrument, das durch bestehende Aktien 1:1 besichert ist und die ursprünglichen Rechte unangetastet lässt, soll laut Tenev keine automatische Zustimmungspflicht bestehen. Robinhoods eigene tokenisierte Aktien-Struktur ist genau nach diesem Prinzip aufgebaut: Jedes Token ist ein eigenständiges Instrument, gedeckt durch Aktien, die im traditionellen Markt gehalten werden.

Marktreaktion und Akteurspositionen

Neben Aron meldete sich auch Fairmint-Mitgründer und CEO Joris Delanoue kritisch zu Wort und stellte Tenevs Argumentation öffentlich infrage. Der Kern des Streits: Wer öffentlich gehandelte Aktien besitzt, verfügt laut Tenev über bestimmte Eigentumsrechte, die ein besichertes Derivat nicht automatisch beschneidet. Diese Sichtweise lässt sich auch auf andere Plattformen für tokenisierte Wertpapiere übertragen, die ähnliche Governance-Fragen aufwerfen.

Traditionelle und digitale Register

Tenev zog zur Einordnung einen historischen Vergleich heran: die Papierkrise der US-Wertpapierbranche in den 1960er-Jahren, als riesige Mengen physischer Aktienzertifikate manuell verarbeitet werden mussten. Die Branche reagierte damals mit dem Wechsel zu elektronischer Aufzeichnung und Book-Entry-Abwicklung. Parallel dazu verweist die Quelle auf einen neuen SEC-Vorschlag, der Blockchain-Ledger künftig zum offiziellen rechtlichen Eigentumsnachweis für Wertpapiere machen könnte – Details zur konkreten Ausgestaltung sind derzeit nicht abschließend bestätigt.

Fazit und Einordnung

Der Streit dreht sich damit nicht pauschal um ein Vetorecht bei jeder Tokenisierung, sondern um die Abgrenzung zwischen veränderten Aktionärsrechten und einem unveränderten, besicherten Zusatzinstrument. Aron bestreitet die Legitimität von Robinhoods Vorgehen ohne AMC-Zustimmung, während Tenev eine automatische Zustimmungspflicht nur bei Rechteänderung akzeptiert. Wie sich dieses Spannungsfeld regulatorisch auflöst, dürfte auch für den breiteren RWA-Markt relevant werden.

Wer sich mit tokenisierten Aktien und ähnlichen On-Chain-Produkten beschäftigt, sollte bedenken, dass Krypto-Transaktionen nicht anonym, sondern pseudonym sind und Handelsplattformen im DACH-Raum KYC-Verfahren durchführen. Weitere Hintergründe zur technischen Infrastruktur solcher Produkte liefert der Beitrag zur Robinhood Chain.

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Raphael Adrian

Raphael Adrian ist ein Krypto-Journalist und Analyst, der bei Coinspeaker über Krypto-News, PR-Inhalte und Marktanalysen schreibt. Hier gilt er als Lead-Autor und Experte für Kryptowährungs-Prognosen. Mit seinem journalistischen Hintergrund und seiner Spezialisierung auf Finanzen, Business und digitale Assets berichtet er seit Jahren über Blockchain-Trends, neue Projekte und Entwicklungen am Kryptomarkt. Seine Kenntnisse in fundamentaler und technischer Analyse ermöglichen es ihm, Marktbewegungen fundiert zu bewerten, Potenziale von Projekten einzuordnen und datenbasierte Krypto-Prognosen zu erstellen. In seiner Arbeit legt er besonderen Wert auf verständliche, recherchierte Inhalte, die Leser bei fundierten Entscheidungen im Kryptomarkt unterstützen.

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